Landsberg – Der (ohnehin wenig realistische) Traum vom Erreichen der ersten DFB-Pokalrunde ist ausgeträumt. Regionalligist TSV Landsberg verlor am Mittwoch das Toto-Pokal-Viertelfinale gegen Drittligist Ingolstadt mit einer „1b-Mannschaft“ mit 1:2 (0:1), zog sich dabei aber prima aus der Affäre. „Schade. Aber schön, dass es einige Lichtblicke gab“, freute sich Coach René Schröder (36). Kollegin Sabrina Wittmann (35), die einzige Trainerin im deutschen Profi-Fußball, meinte nur: „Ziel erreicht. Wir hätten mit einer klaren Führung in die Halbzeit gehen müssen.“ Aber das verhinderte Maurice Merkl (20), neben Youngster Lorenz Edelmann (17) der Spieler des Spiels.

Mut kann man Landsbergs Trainer wirklich nicht absprechen. Genauso wie die – allerdings aufgrund einiger Blessuren und Absagen sowie des wichtigen Kellerduells am Samstag gegen die SpVgg Ansbach aufgezwungene – Liebe zu Überraschungen. Es wird „einige Veränderungen“ gegenüber dem 1:1 bei Schwaben Augsburg geben, hatte der Coach vor dem Viertelfinale gegen den Drittligisten angekündigt – aus einigen wurden aber gleich acht. Schröders Total-Rotation: Aus dem Team, das vier Tage zuvor im Rosenaustadion aufgelaufen war, blieben genau drei Spieler übrig: Kilian Pittrich (mit der Kapitänsbinde), Jeton Abazi und Leon Bucher standen neben acht frischen Kräften in der Startelf des TSV. Die größte Überraschung: Schröder vertraute auf einen 17-Jährigen, der es bislang im Erwachsenenbereich lediglich auf drei Einsätze in der Kreisliga-Mannschaft gebracht hatte. Nach starken Trainings-Eindrücken feierte der „Lord“ gegen den ehemaligen Bundesligisten sein Debüt in der Ersten. Lorenz Edelmann, der Kapitän der Landesliga-U19, rückte in die Innenverteidigung. Und in Halbzeit zwei kam ein zweiter Spieler aus der A-Jugend. David Ziegler (18) hatte ebenfalls im Training überzeugt. Für beide gab’s hinterher ein Riesenlob vom Coach: „Das sind zwei Jungs, auf die sich der Herrenbereich freuen kann.“ Die Mannschaftskameraden aus der A-Jugend und Neu-Löwe Luca Dollinger feierten ihren Kapitän Edelmann nach einer souveränen, abgeklärten Leistung. „Du warst unglaublich gut“, meinte „Dolle“. Der „Lord“ hinterher zufrieden: „Ich denke, das war ganz gut. Es geht alles viel schneller als in der Jugend.“

Pech für die Landsberger, dass sie kurz nicht aufpassten und Ingolstadt schon nach drei Minuten durch Keanan Bennetts in Führung ging. Aber dann verteidigten sie mit Geschick, Glück und einem bärenstarken „Pokal-Torwart“ Maurice Merkl (Schröder: „Er hat uns im Spiel gehalten“) den knappen Rückstand bis zur 78. Minute – allerdings, ohne bis dahin auch nur eine echte Torchance gehabt zu haben. Das 0:2 (78.), wieder durch den bundes- und zweitligaerfahrenen Bennetts (u. a. Gladbach, Darmstadt und Ipswich Town), einen Engländer, der auch die deutsche und nigerianische Staatsbürgerschaft besitzt, schien die Entscheidung zu sein. Doch in der 89. Minute köpfte Benito Alisanovic die Lechstädter auf 1:2 heran – mit der ersten echten TSV-Torchance des Spiels. Das letzte Aufbäumen gegen eine Mannschaft, deren Auftritt sogar mit einer Ingolstädter Drohne über dem Sportzentrum beobachtet und sofort auf zwei Laptops analysiert wurde, brachte nichts mehr ein. Und Schröder gab zu: „Schade, aber ein verdienter Sieg der Ingolstädter.“ Furkan Kircicek (wurde geschont): „Wir haben uns top verkauft. Das war das Beste, was wir mit dieser Mannschaft erreichen konnten.“

Am Samstag (Anpfiff 14 Uhr) geht’s im Sportzentrum weiter. Da kommt die SpVgg Ansbach zum „Kellerduell“ Vorletzter gegen Letzter nach Landsberg – ein superwichtiges Spiel im Abstiegskampf. Schröder: „Da können wir wieder mit voller Kapelle aufschlagen. Ansbach hat zwar aus den letzten drei Spielen sieben Punkte geholt. Aber wir gehen maximal positiv in das Spiel, um es zu gewinnen.“