Landsberg - Was für ein Glück für den TSV Landsberg, dass es von Grafrath nach Ismaning nicht gerade der kürzeste Weg ist. Sonst wäre Bene Kuhn (24) wohl nie am Lech gelandet. Und hätte sich auch nicht auf Anhieb einen Stammplatz als linker Innenverteidiuger des TSV gesichert. „Er kam als Nummer vier und ist jetzt IV Nummer 1 – eine sehr bemerkenswerte Entwicklung und ein Top-Transfer“, freut sich Trainer René Schröder (36) über seine Nummer 24.
Senkrechtstarter Kuhn, ein 1,92 Meter großer Linksfuß, den vor der Saison keiner so richtig auf der Liste hatte. Vor zwei Jahren noch Bezirksliga beim TSV Gilching-Argelsried, vergangene Saison 17 Bayernliga-Einsätze für den FC Ismaning – elf davon „als Einwechselspieler“, wie er sagt. Weil der Aufwand „irre hoch“ war, orientierte sich Kuhn um, suchte einen Verein, der näher an seinem Wohnort Grafrath liegt. Und spielte drei Wochen zur Probe in Landsberg vor: „Da habe ich mich voll reingehängt, ich wollte diese Superchance unbedingt nutzen. Super von René, dass er sie mir gegeben hat. Dieses Vertrauen will ich zurückgeben.“
Am 11. Juli bestand er im Test gegen Illertissen (3:2) seine Feuertaufe, feierte beim Pokalsieg in Schwabmünchen zum Pfichtspiel- und (Elfmeter)-Tor-Debüt und stand seither in allen sechs Regionalligaspielen in der Startelf. Auch zuletzt vor 15 000 Zuschauern gegen 1860, wo er Ex-Profi Flo Niederlechner (35) so herrlich ins Leere laufen ließ, „ins Karussell geschickt hat“, wie es Sportchef Marko Braovac (36) ausdrückte. „Diesen Move mache ich gern“, erzählt Kuhn, der an der LMU in München im letzten Semester Volkswirtschaftslehre studiert. Und er verrät: „Ich habe mich richtig darauf gefreut, gegen Niederlechner zu spielen.“ Keine Nervosität? „Die war schnell weg, die Vorfreude hat überwogen.“ Und die Kulisse? „Völlig verrückt, einfach irre. Das war wie ein Traum.“ Benes Motto: „Ich liebe das Fußballspielen, betreibe das mit großem Ehrgeiz und Herzblut. Und ich freue mich, dass ich in Landsberg von erfahrenen Spielern wie David Bauer oder Ünal Tosun sowohl im Training als auch im Spiel enorm viel lernen kann.“
Aber natürlich auch vom Coach: „Bene ist ein ganz feiner Kerl, 100-prozentig engagiert und mit großer Leidenschaft dabei“, lobt Schröder. „Und er ist total wissbegierig. Er hört nicht nur zu, sondern versucht es auch gleich umzuetzen – und merkt dann: Es klappt tatsächlich.“
Lobende Worte vom Trainer für den Neuen, aber auch für ein (aber auch das einzige) Landsberger Urgestein, für Kapitän Max Holdenrieder (28), der gegen die Löwen wieder in die Startelf rückte – und sich mit einer prima Leistung für weitere Einsätze empfahl. Schröder: „Er hat das beste Spiel seiner Karriere gemacht“ – mehr Anerkennung geht nicht.
Jetzt müssen die Leistungen der Landsberger im 1860-Spiel am Samstag (Anpfiff 14 Uhr) gegen den nächsten Hochkaräter bestätigt werden: Mit dem TSV Buchbach kommt nicht nur der aktuelle Tabellenführer der Regionalliga Bayern ins Sportzentrum, sondern auch die Mannschaft, die am Dienstag den Landsberger Pokal-Traum vom (finanziell lukrativen) Wiedersehen mit 1860 zerstörte: Das Team aus dem Landkreis Mühldorf gewann 3:1 bei den Löwen und steht wie der TSV unter den letzten Acht im bayerischen Toto-Pokal. Auslosung der Viertelfinales übrigens am 9. September. Furkan Kircicek weiß: „Da kommt ein richtiges Brett auf uns zu.
Was den Landbergern derzeit noch fehlt ist der erste Saisonsieg. „Wir müssen uns in der Liga nicht verstecken, auch Buchbach ist schlagbar“, ist sich Kuhn sicher. „An einem guten Tag ist alles möglich.“ Auch gegen die „Mannschaft der Stunde“, wie Schröder den TSV nennt. „Die stehen nicht zu Unrecht da oben. Das ist eine erfahrene, gut aufgestellte Regionalliga-Truppe mit einem Trainer, der seine Sache richtig gut macht“, sagt Schröder, dem nach dem Abgang von Timo Spennesberger (28) auch der zweite Ex-Wiedenbrücker fehlen wird: Abwehrspieler Neuzugang Daniel Sanchez (25) hat sich am Außenmeniskus verletzt und muss operiert werden – mindestens sechs Wochen Pause. Schröder: „Das tut uns richtig weh.“
Tolle Aktion neben dem Spielfeld: Die Fußball-Abteilung des TSV hat mit der Lebenshilfe Landsberg eine „Herzenspartnerschaft“ geschlossen. Die frei gewordenen Hauptsponsoring-Flächen „gehören übergangsweise der Lebenshilfe“, schreibt der TSV. Die Trikotwerbung und die Namensrechte am TSV-Sportpark sind nicht Teil dieser Partnerschaft – es fließt auch kein Geld und es gibt auch keine Gegenleistung.
