Landsberg – „Größtes Spiel der Vereinsgeschichte“ (Kapitän Max Holdenrieder), „ein Traumspiel“ (der verletzte Neuzugang Creighton Braun, der den Hit nur von der Bank aus verfolgen konnte und wohl die nächsten zwei, drei Wochen ausfällt), das „Highlight der Saison, vielleicht sogar der ganzen Fußball-Karriere“ (Trainer René Schröder) – vor dem Gastspiel des TSV Landsberg am Sonntag bei 1860 München überschlugen sich die Superlative. Zu Recht: Der „kleine“ Aufsteiger aus der Lechstadt, der 2019 noch in der Landesliga spielte, beim Deutschen Meister von 1966, den „Löwen“ (aktuell ohne das Wappentier auf der Brust) mit der ungeheuren und trotz Absturz in die Regionalliga ungebrochenen Strahlkraft in ganz Bayern, ja immer noch in Deutschland – das war ein Fall für die Landsberger Geschichtsbücher.
650 Zuschauer aus der Kreisstadt und Umgebung füllten die Osttribüne des Grünwalder Stadions, in dem einst sogar Europacup-Spiele stattfanden – klar, dass sie stimmlich der geballten Fan-Power aus der Westkurve und der Stehhalle unterlegen waren. Aber sie bildeten einen starken Rückhalt für eine toll aufspielende Landsberger Mannschaft und hatten (völlig zu Recht) sichtlich Spaß, als z. B. Verteidiger Benedikt Kuhn, ein Senkrechtstarter im TSV-Team, Routinier Flo Niederlechner mit einer feinen Täuschung so richtig ins Leere laufen ließ. Kuhn spielte vergangene Saison mit Ismaning in der Bayernliga, Niederlechner vor zwei Jahren mit Hertha BSC in der Bundesliga. Ehrensache, dass sich die Spieler nach dem verdienten 1:1 artig bei ihren Fans verabschiedeten.
„Wir haben’s richtig gut gemacht. Das Einlaufen vor 15.000 war einfach krass, die Atmosphäre im Stadion war einfach geil. Ich war vor dem Spiel nervöser, als es dann losging“, erzählt Holdenrieder, der wieder in die Startelf gerückt war, weil Coach Schröder auf eine Fünferkette umstellte und Daniel Sanchez verletzt ausfiel. Käpt’n Max machte seine Sache prima, empfahl sich für weitere Einsätze und meinte hinterher: „Das war ein Spiel, von dem man noch seinen Enkelkindern erzählen kann.“
Immerhin standen bei den Gastgebern mit Niederlechner (holte den Elfer zum 1:0 für 1860 raus) und Keeper Vitus Eicher (war vergangene Saison noch als Torwarttrainer der Bayernliga-Mannschaft in Landsberg und hielt den 60ern in der Schlussphase den Punkt fest) zwei ehemalige Bundesliga-Spieler auf dem Platz. Und mit Mathew Collins sogar der Sohn eines Weltstars: Papa Phil Collins („In the Air Tonight“) hat Musik-Geschichte geschrieben.
Für Landsberger Fußball-Geschichte sorgte eine Mannschaft, die sich von den permanenten Sprechgesängen („Deutscher Meister TSV“), einem frühen Rückstand sowie 15.000 minus 650 Zuschauern nicht aus dem Konzept bringen ließ und völlig verdient ihren dritten Regionalliga-Punkt gegen einen letztlich enttäuschenden Top-Favoriten mitnahm. „Wie geil für Landsberg, wie peinlich für 1860“, schrieb mir nach dem Spiel ein Ex-Profi, der viele Jahre auch bei den Münchnern tätig war.
Die Löwen warten noch immer auf den ersten Heimsieg. Während 1860-Coach Alper Kayabunar (gewann vergangene Saison in der Bayernliga zweimal mit 1860 II gegen Landsberg) arg enttäuscht war und „viele technische Fehler“ seiner Mannschaft bemängelte, war Schröder richtig happy: „Wir sind zufrieden. Einen Punkt bei 1860 – das hätten wir vor dem Spiel sofort unterschrieben. Das war eine Riesensache, das tut gut. Ich freue mich ungemein für die Jungs – und für den ganzen Verein.“
Am Samstag wartet schon der nächste dicke Brocken auf die Landsberger: Um 14 Uhr gastiert Tabellenführer TSV Buchbach im Sportzentrum.
