Landsberg – Sie hatten sich alle so auf das erste Regionalliga-Spiel des TSV Landsberg gefreut. Und wollten dem Fast-Nachbarn vom FC Memmingen zumindest den ersten Punkt in der 144-jährigen Vereinsgeschichte abknöpfen. Aber irgendwie verließ die Truppe von Trainer René Schröder (36) beim Saisonauftakt im Landsberger Sportzentrum der Mut. Eine gerade in der ersten Halbzeit blutleere Vorstellung – und eine völlig verdiente 0:1-Niederlage. Mit keiner einzigen echten Torchance in 95 Minuten.

War’s die Super-Kulisse von 1180 Zuschauern, die die Landsberger nicht beflügelte, sondern eher lähmte? Waren es das ungewohnte Ambiente und der große Platz im Sportzentrum? Oder war es einfach das Premierenfieber gerade vieler Spieler, für die die vierte Liga eine völlig neue Erfahrung ist? Vermutlich eine Mischung aus all diesen Fragen. Eine genaue Erklärung gibt es nicht.

Dass es ein verdienter Erfolg der Allgäuer war, die keineswegs den großen Fußball zelebrierten – da waren sich die Trainer einig. „Über 90 Minuten letztlich verdient. Beide Mannschaften haben sehr zaghaft agiert“, resümierte FCM-Coach Matthias Günes (43). Schröder schloss sich an: „Wir wollten mutigen Fußball spielen, sind aber in der ersten Halbzeit überhaupt nicht ins Spiel gekommen und in Lethargie verfallen.“ Klare Worte! Dass das Tor des Tages ausgerechnet durch den jungen Ex-Landsberger Constantin Kresin (20), Sohn des Ex-Trainers Sven Kresin, fiel: doppelt bitter. „Nach einer tollen Einzel- und schlechten Abwehrleistung“, fügte der TSV-Coach noch an. Abteilungsleiter Werner Seemüller: „Ansonsten wär’s 0:0 ausgegangen und wir hätten alle gut damit leben können.“

Bleibt festzuhalten: In der Offensive krankt’s noch gewaltig – es müssen einfach mehr Torchancen kreiert werden. Schon jetzt zeigt sich, dass es schwer bis schier unmöglich ist, einen torgefährlichen und gefürchteten Spieler wie Maxi Berwein (30/jetzt 1. FC Penzberg) gleichwertig zu ersetzen. „Berwy“ oder ein Typ mit Ecken, Kanten und Torgefahr wie er fehlt der Mannschaft.

Neuzugang Fynn Heinze (9) konnte sich nicht so wie in den Vorbereitungsspielen in Szene setzen, die Sturm-Kollegen blieben bemüht, aber letztlich blass, auch wenn Jeton Abazi (26) nach seiner Einwechslung für frischen Wind im Sturm sorgte. Schröder: „Die Qualität an vorderster Front hat gefehlt. Das war ängstlich und lethargisch.“

Dazu kam: Mittelfeld-„Kampfschwein“ Lukas Bettrich (24) musste wegen einer Verletzung aus dem Vorbereitungsspiel gegen Illertissen passen – da fehlte das defensive Mittelfeld-Herzstück des TSV. Und Neuzugang Timo Spennesberger (28), erst Mitte der Woche verpflichtet, feierte wie vor drei Jahren unter Spielertrainer Sascha Mölders ein Blitz-Comeback nach wenigen Trainingseinheiten. Aber der Ex-Löwe (2019 bis 2022) muss sich auch erst an seine neue Mannschaft gewöhnen. Mit „Spenne“, Heinze sowie Creighton Braun (in der Innenverteidigung), Linksverteidiger Benedikt Kuhn und Abwehrchef David Bauer standen fünf Neue in der Startelf, zudem wurde Daniel Sanchez eingewechselt. Diese Mannschaft muss also noch zusammenwachsen – „ein erstes Spiel ist immer schwierig, etwas ganz Besonderes“, weiß Schröder. Nach der guten, alten Fußballer-Devise nach Niederlagen „Mund abputzen und nach vorne schauen“ gilt jetzt die ganze Konzentration dem ersten Auswärts-Auftritt am kommenden Freitag bei der Zweiten des FC Augsburg (Anpfiff um 18.30 Uhr im altehrwürdigen Rosenaustadion).

Fazit: Die Landsberger Liga-Neulinge haben gezeigt, dass sie gegen die „Nicht-Profi-Teams“ der Regionalliga durchaus mithalten können. Aber ohne Torgefahr und Tore gibt es in dieser Liga halt gar nichts zu holen …