Unterhaching – Ein Hachinger Aufstiegs- und Bundesliga-Held kehrt zurück in den Sportpark – als Buchautor. Gerry Tremmel (47), der von 1998 bis 2002 68 Mal das Tor der SpVgg hütete, stellt an diesem Donnerstag (20. August) um 19 Uhr im Hachinger Wirtshaus seine soeben erschienene Biografie „Per Bewerbungsschreiben in die Premier League“ vor. Auf 224 Seiten erzählt der Keeper, der jetzt mit seiner Familie, Ehefrau Lavinia und den Kindern Izabela (8) und Letizia (3), in Estepona (Spanien) lebt, von den Highlights seiner langen Karriere – von den Anfängen in der F-Jugend beim SV Lochhausen, von 125 Bundesligaspielen für Haching, Hannover, Hertha und Cottbus, dem Gastspiel bei Red Bull Salzburg bis hin zum „großen Finale“, der Erfüllung seines „englischen Premier League-Traums“ von 2010 bis 2017 bei Swansea City. „Ich wusste vorher gar nicht, wo Swansea liegt“, verrät er. Und dann holte er 2013 mit den Walisern vor 80000 Zuschauern im Londoner Wembley Stadion den „League Cup“, den englischen Liga-Pokal – der größte Erfolg seiner Laufbahn neben dem Gewinn der deutschen Hallenmeisterschaft 2001 mit Haching.

Natürlich kommt auch die Geschichte vor, wie Nobody Tremmel, „ein Novize, der noch nie einen Bundesliga-Rasen betreten hat“, über Nacht die Nummer eins im Hachinger Tor wurde. Es war der 7. April 2000, der 28. Spieltag der ersten Hachinger Bundesliga-Saison. Vor dem Heim-Derby gegen den TSV 1860 München hatte Trainer Lorenz Köstner (heute 74) plötzlich ein riesiges Problem: Stammkeeper Jürgen Wittmann hatte sich in der Vorwoche beim 3:4 in Freiburg einen Faserriss zugezogen und sein Ersatz Udo Mai († 2015) fiel ganz kurzfristig wegen einer Sprunggelenks-Blessur aus.

Da war guter (Torwart)-Rat teuer: Soll der Coach Oldie und Torwart-Trainer Peter Sirch (damals 38) oder den jungen „lockeren Vogel“ Gerhard Tremmel (21) aus der Landesliga-Reserve in die Kiste stellen. Wer sollte als „Ersatz vom Ersatz“, wie damals geschrieben wurde, ins Tor? Köstner erinnert sich: „Es war eine Bauchentscheidung. Alle gingen davon aus, dass Sirch spielt, aber Peter stand lange nicht mehr im Tor. Gerry war schon im Trainingslager in Portugal dabei und hatte da einen guten Eindruck gemacht. Mir war klar: Der Junge kann nur gewinnen, auch seine Lockerheit und seine Unbekümmertheit gehörte zu seinen Stärken. So fiel die Wahl auf ihn – und er hat das Vertrauen voll gerechtfertigt.“ Köstner hatte, wie so oft, den richtigen Riecher. Der Youngster bot bei seinem Profi-Debüt eine Superleistung und Reporter-Legende Werner Hansch brüllte immer wieder den „Teufelskerl Tremmel“ ins Mikrophon. Zum Sieg gegen die Löwen fehlten nach Paul Agostinos Treffer in der Nachspielzeit nur ein paar Sekunden – doch das 1:1 war ein Riesenerfolg für den Aufsteiger. „Dieses Spiel ist allgegenwärtig“, verrät Gerry. Das grün-schwarze Trikot aus diesem Spiel mit der Rückennummer 28 hat er aufgehoben – mit dem Datum 7.4.2000 versehen. Auch dieses Trikot kommt im Buch vor. Genauso wie Tremmels Erinnerungen an dieses unvergessliche Flutlichtspiel, an Thomas Häßler, Jörg Bergen, die Gelb-roten Karten für Oli Straube und Dennis Grassow, sein Zögern beim Ausgleich – und an Trainer-Ehefrau Katrin Köstner, die ihm vor dem Debüt Mut zusprach.

Für den ehemaligen Torwart begann mit diesem Spiel eine lange, erfolgreiche und internationale Karriere, aus der er in seiner Biografie berichtet. „Ich hatte nach meiner Karriere immer das Gefühl, ich muss ein Buch schreiben, weil ich unfassbar viele kuriose Dinge erlebt habe“, erzählt Tremmel. „Das hatte ich immer im Hinterkopf.“ Zusammen mit dem Journalisten Marc Bädorf (32) begann Gerry schließlich im Juli 2024, sein Herzens-Projekt in die Tat umzusetzen, „Ich erzähle meine Karriere von Anfang bis zum Ende.“ Das sind schöne Erinnerungen an erfolgreiche Zeiten für die alten Hachinger – und spannende Einblicke für alle, die damals nicht dabei waren…

Buchcover Per Bewerbungsschreiben in die Premier League

„Per Bewerbungsschreiben in die Premier League“ ist im „Verlag Die Werkstatt“ erschienen. Das Buch ist ab sofort im Buchhandel und online erhältlich und kostet 24,90 Euro.